Asbest und Künstliche Mineralfasern (KMF)

Asbest ist die Sammelbezeichnung für eine bestimmte Gruppe natürlicher silikatischer Minerale mit charakteristischer feinfaseriger Struktur. Typisch für Asbest ist die leichte Zerfaserbarkeit und Spaltbarkeit in der Längsachse zu feinsten Fasern, die eingeatmet werden können. Das Verstaubungsverhalten ist wesentlich stärker ausgeprägt als bei künstlichen Mineralfasern (KMF).

Mineralogisch sind verschiedene Asbestarten hinsichtlich ihrer Morphologie und ihrer physikalischen Eigenschaften zu unterscheiden:

Serpentinasbest
Im technischen Einsatz hat das Chrysotil (Weißasbest) den mengenmäßig größten Anteil. Er ist geschmeidig, die Fasern sind weich und biegsam und eignen sich gut zur Verarbeitung zu textilen Materialien (Hitzeschutzgewebe, Filter, Dichtungen) und zur Herstellung faserverstärkter Kunststoffmaterialien und Asbestzement.
Amphibolasbeste
Sie sind eher spröde, lassen sich mahlen und zerreiben und sind nicht zur Verarbeitung zu textilen Materialien geeignet.
Krokydolyth (Blauasbest) wurde vor allem als Spritzasbest verwendet.
Amosit (Braunasbest) ist der dritte, technisch wichtige Asbesttyp.
Er fand, wie auch der Blauasbest in Form von Asbestwolle als Isolierungsmaterial in Labor und Technik Verwendung.
Bis Ende der siebziger Jahre fand Asbest eine weite Anwendung, z.B. als Asbestzement und Spritzasbest im Baubereich, in Fußbodenbelägen auf Kunststoffbasis, in elektrischen Nachtspeicheröfen, in Haartrocknern, zur Wärmedämmung von Rohrleitungen in Schiffen und Gebäuden, bei Reibbelägen von Bremsen und Kupplungen, als Zuschlagstoff zur Verringerung des Abriebs von Straßendecken und als textile Asbestprodukte. Nach Informationen des Umweltbundesamtes lag der höchste Verbrauch von Asbest in den siebziger Jahren bei etwa 180.000 t/Jahr.

Die im Baubereich verwendeten Asbestprodukte unterscheiden sich wie folgt:

  • Asbestzementprodukte (Dichte mindestens 1500 kg/m3) haben einen vergleichsweise hohen Anteil an mineralischen Bindemitteln (Asbestanteil 10 - 15 %). Die Asbestfasern sind relativ fest gebunden.
  • Bei den schwach gebundenen Asbestprodukten wie Spritzasbest beträgt der Asbestanteil zwischen 25 - 40 %. Infolge des verhältnismäßig geringen Bindemittelanteils ist der Asbest nicht ausreichend fest gebunden. Durch äußere Einflüsse, wie Erschütterungen und Alterung der Produkte, ist eine Freisetzung möglich. Es kann zu einer unvorhersehbaren stossweisen Abgabe von Fasern kommen, die zu Spitzenkonzentrationen in der Raumluft führen. Spritzasbest wurde weltweit als Hitzeschutz bei Bauten in Stahlskelettbauweise verwendet.

Seit Ende der 70er Jahre sind zunehmend Schutzmaßnahmen gegen Asbesteinwirkungen ergriffen worden. 1979 wurde die Verwendung von Spritzasbest verboten. Die Asbestsubstitution im Hochbau konnte entsprechend der Selbstverpflichtung der Asbestzementindustrie jedoch erst Ende 1990 abgeschlossen werden. Die im Umlauf befindlichen Produkte durften noch bis Ende 1991 eingebaut werden.
Obwohl Lungenkrebs bei Asbestose bereits seit 1943 in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen wurde, klärte sich erst 1972, dass die langgestreckte Form von Asbestpartikeln das krebserzeugende Agens darstellt. Der Ausschuss für Gefahrstoffe hat 1988 Asbest als "sehr stark gefährdenden" krebserzeugenden Stoff eingruppiert. Viele dieser Fasern sind so dünn, dass sie im Lichtmikroskop nicht sichtbar sind. Blauasbest (Krokydolith) und Braunasbest (Amosit) haben eine höhere krebserzeugende Potenz als Weißasbest (Chrysotil). Chrysotil nahm mit über 90 % des Asbestverbrauchs quantitativ die Spitzenstellung ein.