Chemische Schadstoffe

Der Einsatz von Bioziden in Innenräumen führt häufig zu jahrelangen Belastung der Bewohner mit Schadstoffen, da die Hersteller (und Anwender) an Stoffen interessiert sind, welche eine langanhaltende fungizide und/oder Insektizide Wirkung haben. Anwendung finden Biozide in Holzschutzmitteln, als vorbeugender Mottenschutz oder als Entwesensmittel zur Bekämpfung von Insektenbefall. Eine statistische Übersicht über die Konzentrationen von Bioziden und weiterer SVOC (semi-volatile organic compounds) wie PAK im Hausstaub deutscher Haushalte ist in zwei Studien zu finden. Die Untersuchung des Hausstaubs hat sich auf Basis dieser Datengrundlagen als orientierende Methode bewährt, um Hinweise auf Expositionen mit mittel- und schwerflüchtigen Schadstoffen wie PAK, Flammschutzmittel und PCB (s.u.) im häuslichen Umfeld zu erhalten.

Für einige Analysen können Sie die Probenahme selbst durchführen: So geht's.

Flüchtige organische Verbindungen

In der Innenraumluft lassen sich weit über hundert flüchtige organische Verbindungen (VOC) nachweisen, die aus verschiedenen Quellen in die Raumluft emittiert werden. Da sich die Zusammensetzung vieler in Innenräumen eingesetzter Produkte im Laufe der Zeit ändert, ist davon auszugehen, dass sich auch die Zusammensetzung des in der Innenraumluft beobachteten VOC-Gemisches über Jahre hinweg verändert. Ursache hierfür sind z.B. ein geändertes Konsumverhalten der Bewohner, beispielsweise beim Möbelkauf oder bei der Auswahl von Anstrichstoffen, und die Substitution von Verbindungen mit nachgewiesener und vermuteter toxikologischer Relevanz.

Über Prüfkammeruntersuchungen werden die Emissionen von z.B. Möbeln zur Vergabe von Umweltzeichen geprüft . Die Konzentrationsverteilungen von VOC in der Innenraumluft wurden mittlerweile in mehreren Studien , beschrieben, wobei der Umwelt-Survey des WaBoLu aus den Jahren 1985/86 aufgrund veränderter Produkte nicht mehr dem heutigen Stand entsprechen dürfte. Eine ausführliche Übersicht zu Innenraumbelastungen durch Lösemittel gibt die Bröschüre Vorsicht Lösemittel - Nicht nur frisch gestrichen.

Formaldehyd

Formaldehyd ist eine gasförmige, organische Verbindung, die in der Natur u.a. bei der unvollständigen Verbrennung von kohlenstoffhaltigem Material entstehen kann. Es zählt trotz umfangreicher Reglementierungen immer noch zu den bedeutsamen Innenraumschadstoffen und wird in Innenräumen bis hin zu Konzentrationen im Bereich der maximalen Arbeitsplatzkonzentration in Höhe von 0,5 ppm nachgewiesen. Formaldehyd zählt daher zu den Innenraumverunreinigungen, die in einem vergleichsweise geringen "Sicherheitsabstand" zu bestehenden Arbeitsplatzgrenzwerten in Innenräumen auftreten.
Während die Überschreitung des Grenzwertes nach Chemikalienverbotsverordnung für Holzwerkstoffe bei Spanplatten derzeit kaum mehr zu beobachten ist, wird vor allem bei Leim- und Sperrhölzern, verleimten Parkettdielen, OSB-Platten und Laminatböden sowie Holzwerkstoffen, die mit säurehärtenden Lacken behandelt wurden, der Grenzwert (Chemikalienverbotsverordnung) erreicht oder überschritten. Obwohl es in der Diskussion über Holzwerkstoffplatten immer wieder auftaucht, treten in Massivhölzern keine relevanten Formaldehydkonzentrationen auf . Nach wie vor ein Problem ist Formaldehyd in Fertighäusern, insbesondere aus den 60er, 70er und frühen 80er Jahre. Neben quellspezifischen Größen wie der Oberflächenbeschichtung und Raumbeladung besitzen die raumklimatischen Parameter Luftwechsel, Temperatur, Luftfeuchte und die Anströmgeschwindigkeit der Luft an den potentiellen Quellen einen maßgeblichen Einfluss auf die sich im Innenraum einstellende Ausgleichkonzentration.

Das besondere Problem formaldehydhaltiger Holzwerkstoffe ist, dass bereits durch Luftfeuchtigkeit die eingesetzten Harze zersetzt werden und dabei Formaldehyd über die gesamte Lebensdauer des Produktes freigesetzt werden.

Die Aufnahme von Formaldehyd erfolgt überwiegend über die Atmung. Es wird im Atemtrakt vollständig aufgenommen. Die Ausscheidung erfolgt teilweise nach Metabolisierung zu Ameisensäure über den Urin, teilweise auch als Kohlendioxid über die Lunge. Bei langandauernder Formaldehyd-Exposition können sich folgende Symptome zeigen: Husten, Kopf- und Ohrenschmerzen, Nasen- und Halsentzündungen. Dazu sind allgemeine Zeichen des Unwohlseins wie Atem- und Kreislaufbeschwerden, Schwindelgefühl, Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Depressionen, Streßanfälligkeit, Störungen des Erinnerungsvermögens sowie allergische Erkrankungen (auch Asthma) möglich. Chronische Belastung mit ständiger Reizung der Atmungsorgane läßt die Schleimhäute anfällig werden gegenüber Pollen, Schimmelpilzen und anderen Umweltgiften. Dies führt wiederum zu weiteren allergischen Reaktionen. Als Folge chronischer Einwirkung sind auch Nieren-, Leber- und Lungenschäden möglich. Bei Personen mit einem gestörten Formaldehydstoffwechsel wurden Störungen des zentralen Nervensystems beobachtet: Konzentrationsstörungen, Wortfindungsstörungen, Übelkeit, Unruhe (häufig mit Diarrhöe), auch Erbrechen. Diese Symptome werden oft als psychosomatische Beschwerden gedeutet.