Mitarbeiterbefragungen

Menschen befinden sich immer in dynamischen Austauschprozessen mit der Umwelt und reagieren entsprechend ihren Fähigkeiten (Personenmerkmalen) und Möglichkeiten (Verhaltensweisen) auf Umweltereignisse (= Transaktion). Die Einschätzung der Lebensbedingungen (beobachtbare Verhältnisse wie Arbeitsbedingungen, soziale Kontakte, soziale und politische Beteiligung etc.) und das subjektiv empfundene Wohlbefinden kennzeichnen die Lebensqualität.

Umweltreize (Stressoren) wirken auf Menschen ein und werden von ihnen bewertet (Bedrohung, Verlust, Herausforderung). Wenn der Mensch darauf nicht mit wirksamen Bewältigungsstrategien (coping) wie z.B. direkte Aktion, Informationssuche, Aktionshemmungen oder anderen intrapsychischen Prozessen, reagieren kann, entstehen Stresszustände, da die Balance zwischen den Anforderungen der Umwelt und den persönlichen Reaktionsfähigkeiten aus dem Gleichgewicht geraten.

Der Einfluss von Umweltfaktoren kann nicht nur auf Reiz-Reaktions-Modelle (Modell der Noxen) verkürzt werden, er umfasst auch eine indirekte Wirkung durch Effektzuschreibungen (Attribution)., Diese Zuschreibungen werden als umweltbedingt bewertet und erlebt, auch wenn keine Kausalbeziehung nachweisbar ist.

Wesentliche Merkmale von Umweltstressoren sind ihr latentes Vorhandensein. Aktuell weisen sie meist ein geringes Schädlichkeitspotenzial auf. Es werden aber drastische Auswirkungen auf die Gesundheit und Existenz erwartet, wobei der Zeitpunkt des Ereigniseintritts nicht angebbar oder berechenbar ist und keine (oder nur sehr begrenzte) Möglichkeit besteht, auf den Stressor Einfluss zu nehmen.

Der Großteil der Mensch-Umwelt-Studien zeigt, dass zwischen Schadstoffexposition und Befindlichkeitsstörung ein Zusammenhang besteht, der allerdings durch vermittelnde Variablen (z.B. Einstellung, Bewertung von und Auseinandersetzung mit Umweltbedingungen) beeinflusst wird. Luftverunreinigungen und Schadstoffbelastungen haben überwiegend desaktivierende, hemmende Wirkungen zur Folge wie z.B. Depressionen, sozialer Rückzug etc. (im Gegensatz zu Lärmexpositionen, die überwiegend hyperaktivierend wirken).

Die Befragung von Mitarbeitern in von Schadstoffen betroffenen Gebäuden hat zum Ziel, die subjektiven Belastungen durch chemische und biogene Einwirkungen (Gefahrstoffe durch Altlasten, Schimmelpilze etc.) zu erfassen. Diese subjektiv empfundenen Belästigungen werden mit analytisch messbaren Immissionsbelastungen verglichen und können dann den einzelnen Räumen zugeordnet werden